Mittwoch, 14.04.2021
Salzkammergut-Rundblick - Nachrichten für das Salzkammergut
 

Naturpark Attersee-Traunsee ist erste zertifizierte Sternenparkregion Österreichs!

Als erstes Bundesland hat Oberösterreich ein eigenes Messnetz fĂŒr die Lichtverschmutzung installiert, eine eigene Leitlinie fĂŒr den öffentlichen Bereich geschaffen und erstmals wurden in Pilotgemeinden auch konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Lichtverschmutzung umgesetzt. Nun ist mit der Zertifizierung durch die Dark-Sky Association des Naturparks Attersee-Traunsee zum ersten offiziellen österreichischen Sternenpark (Dark Sky Park) die Vorreiterrolle Oberösterreichs beim Schutz des Nachthimmels untermauert worden. Ein Sternenpark ist ein Licht- und Landschaftsschutzgebiet, in dem die nĂ€chtliche Dunkelheit und die natĂŒrliche Nachtlandschaft als Schutzgut gelten und diese vor Lichtverschmutzung bestmöglich geschĂŒtzt sein sollen. Erreicht wird dies mit ausgeklĂŒgelten Licht-Management-PlĂ€nen und teilweiser UmrĂŒstung bei Straßen- und Außenbeleuchtung auf den SternenparkflĂ€chen der fĂŒnf Naturpark-Gemeinden AltmĂŒnster, Steinbach am Attersee, Weyregg am Attersee, Schörfling am Attersee und Aurach am Hongar.

„Mit der ersten österreichischen Sternenpark-Zertifizierung wird das gemeinsame an einem Strang ziehen von Gemeinden, Naturpark, UniversitĂ€t Wien und Umweltressort des Landes OÖ mit der höchsten Auszeichnung belohnt, wenn es um BemĂŒhungen zum Schutz unseres wunderschönen Nachthimmels geht. Wenn wir die Lichtverschmutzung weiter eindĂ€mmen, können wir einen gesunden Lebensraum fĂŒr Mensch und Tier sowie die eindrucksvolle Nachtlandschaft bestmöglich erhalten. Seit vielen Jahren berĂ€t und unterstĂŒtzt das Land Oberösterreich die Gemeinden und sensibilisiert bei einem großen Problem, das vielen nicht oder noch zu wenig bewusst ist. Unser Ziel muss aber sein, dass wir schĂ€dliche Licht- und auch Energieverschwendung schrittweise verringern“, so Klimalandesrat Stefan Kaineder, der sich bei den BĂŒrgermeister/innen des Naturparks Attersee-Traunsee und dem Naturpark fĂŒr das große Engagement bedankt und die Zertifizierung mit einem großen Fest im Sommer oder Herbst feiern möchte.

Der Weg zum ersten Sternenpark Österreichs
Seit 2014 wird der Nachthimmel in Oberösterreich dokumentiert. Das Oö.
Lichtmessnetz der Abteilung Umweltschutz erfasst dabei an 24 Stationen den Helligkeitsverlauf jeder Nacht. Und dabei kam es rasch zu beeindruckenden Ergebnissen, die wissenschaftlich ausgewertet wurden. Der an die UniversitĂ€tssternwarte Wien, Institut fĂŒr Astrophysik in Auftrag gegebene wissenschaftliche Bericht „Langzeitmessungen der Nachthimmelshelligkeit und Möglichkeiten fĂŒr Nachthimmels-Schutzgebiete in Oberösterreich“ kommt im Oktober 2017 zum Schluss:

„...dass es in Oberösterreich noch Nachthimmel gibt, die den strengsten Kriterien fĂŒr ‚Dark Sky Parks‘ auf internationaler Ebene genĂŒgen. Diese Gebiete bieten ein einzigartiges Kulturgut fĂŒr die Menschheit und sollten deshalb unbedingt geschĂŒtzt werden.“
Die International Dark Sky Association (IDA) – Zertifizierungsstelle fĂŒr Sternenparks

Die International Dark Sky Association in Tucson, Arizona, USA wurde 1988 mit dem Ziel des Schutzes der natĂŒrlichen Nachthimmel fĂŒr gegenwĂ€rtige und zukĂŒnftige Generationen gegrĂŒndet. Sie ist weltweit fĂŒr ihre Kampagnen gegen Lichtverschmutzung federfĂŒhrend und steht daher stetig in engem Kontakt mit der Öffentlichkeit, Stadtplanern, Legislativen, Beleuchtungsherstellern, Parks und vielen mehr. Im Jahr 2001 fĂŒhrte die IDA das „International Dark Sky Places“-Programm ein. Dieses nennt unter anderen Dark Sky Parks, jene Kategorie, fĂŒr die eine Zertifizierung in OÖ angestrebt wurde.

International Dark Sky Park
International Dark Sky Parks sind unter Naturschutz stehende öffentliche oder private LandflĂ€chen, die eine bestimmte Dunkelheit erreichen, eine rĂŒcksichtsvolle Außenbeleuchtung garantieren und Öffentlichkeitsarbeit fĂŒr Besucher anbieten. Der Nachthimmel in diesem Gebiet muss folgende Voraussetzungen erfĂŒllen:
? Die Milchstraße ist mit dem bloßen Auge leicht erkennbar4
? In der NĂ€he befinden sich keine kĂŒnstlichen Lichtquellen, die signifikant aufscheinen.
? Jegliche vorhandenen Lichtkuppeln sind nur sehr beschrÀnkt und nahe des Horizonts sichtbar.

Naturpark Attersee-Traunsee mit guten Voraussetzungen
Als aussichtsreichstes Gebiet fĂŒr einen Sternenpark hat sich der Naturpark Attersee-Traunsee gezeigt. Neben der geforderten NachthimmelsqualitĂ€t bietet der Naturpark durch das ausgewiesene zusammenhĂ€ngende Schutzgebiet die Grundvoraussetzungen fĂŒr einen Sternenpark. Um den stark fragmentierten Naturpark wurde eine einhĂŒllende Grenze inklusive dem Gemeindegebiet von Steinbach am Attersee gezogen und ein Sternenparkgebiet von rund 106 kmÂČ geschaffen. Die Naturparkgemeinden AltmĂŒnster, Aurach am Hongar, Schörfling, Steinbach am Attersee und Weyregg am Attersee unterstĂŒtzen das vom Land Oberösterreich initiierte Projekt und mit einem im Gemeinderat fĂŒr verbindlich erklĂ€rten Licht-Management-Plan. Dieser legt unter anderem fest, dass ? Kunstlicht in der Nacht nur dort und dann zum Einsatz kommt, wo und wann es nötig ist
? Außenbeleuchtungen mit ĂŒber 500 Lumen vollkommen abgeschirmt sind
? Leuchtmittel eine warmweiße Farbtemperatur von 3.000 Kelvin nicht ĂŒbersteigen und
? Werbe- und Schilderbeleuchtungen an die Vorgaben der International Dark Sky Association abgestimmt werden
Erstmalig bei einem Dark Sky Park der IDA ist ein Ortszentrum – in diesem Fall jenes der Gemeinde Steinbach am Attersee – Teil eines Sternenparks.
Entscheidend zu diesem Gelingen war die bereits zuvor vom Land Oberösterreich unterstĂŒtzte Umstellung zur Beleuchtungsmustergemeinde.
Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde der Ende November 2020 eingereichte Zertifizierungsantrag nun genehmigt. Der Sternenpark Attersee-Traunsee gehört nun zur Gruppe von derzeit 92 Dark Sky Parks weltweit und ist der erste in Österreich.

AktivitÀten, Management und Ausblick
Bereits in KĂŒrze werden Veranstaltungen zum Thema Sternenhimmel und Nachtlandschaft im Sternenpark angeboten. Fachliche UnterstĂŒtzung dazu kommt auch von der Sternwarte Gahberg des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut, die von Beginn an Projektpartner ist. Das SternenparkManagement ĂŒbernimmt der Naturpark Attersee-Traunsee.

Neben der Astronomie spĂŒrt lĂ€ngst auch die Tierwelt aber auch die Gesundheit von uns Menschen mancherorts die Auswirkungen der zunehmenden Lichtverschmutzung. Der Sternenpark Attersee-Traunsee soll zeigen, wie wichtig eine dunkle Nacht fĂŒr Mensch und Natur ist. Er soll aber auch Anregung fĂŒr weitere Gebiete sein, die noch ĂŒber einen dunklen Nachthimmel verfĂŒgen und dieses beeindruckende NaturphĂ€nomen schĂŒtzen wollen.

Sternenpark-Gemeinde Steinbach am Attersee
Die BĂŒrgermeisterin der Atterseegemeinde Steinbach, Nicole Eder, freut sich ĂŒber die Zertifizierung zum ersten Sternenpark Österreichs und ist motiviert, die zukĂŒnftigen Herausforderungen weiterhin aktiv voranzutreiben: „Die Lichtverschmutzung noch weiter zu reduzieren, das ist nun unsere Aufgabe. FĂŒr dieses heute noch viel zu wenig beachtete Thema die Speerspitze sein zu dĂŒrfen und um möglichst viele Regionen und Gemeinden zum Umdenken und UmrĂŒsten anregen zu können, erfĂŒllt mich mit Freude und Stolz.“
FĂŒr den Naturpark Attersee-Traunsee, aber auch fĂŒr die Tourismusregion Attersee-Attergau und besonders fĂŒr das Bergsteigerdorf Steinbach am Attersee stellt der Sternenpark ein stimmiges Alleinstellungsmerkmal sowie ein sanftes touristisches Angebot fĂŒr die GĂ€ste dar und bringt touristische Wertschöpfung fĂŒr die ansĂ€ssigen Betriebe. „So können wir das NĂŒtzliche mit dem Notwendigen verbinden und dem Schutz der Fauna und Flora und allen Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Region gerecht werden“, so BĂŒrgermeisterin Eder.

„Es ist hier etwas Großartiges entstanden und mein großer Dank gebĂŒhrt dem Land OÖ, unserem Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Landesrat Stefan Kaineder. Aber vor allem den Sternenpark-Pionieren Heribert Kaineder und Prof. Dr. Thomas Posch, die leider beide zu frĂŒh verstorben sind. Ihre Vision eines zertifizierten Lichtschutzgebietes ist nun RealitĂ€t geworden. Ohne diese beiden Vordenker hĂ€tten wir das nie erreicht“, so Eder abschließend.

Sternenpark-Gemeinde AltmĂŒnster am Traunsee
Auch die BĂŒrgermeisterin der Traunseegemeinde AltmĂŒnster, NationalrĂ€tin Elisabeth Feichtinger ist begeistert: „Ich freue mich, dass wir in AltmĂŒnster mit der Umsetzung des Sternenparks zur Reduzierung der Lichtverschmutzung Vorreiter in Österreich sein konnten. Das ist ein erstes Projekt, bei dem wir ein Zeichen setzen konnten. Wir werden aber auch bei der schrittweisen Umstellung der Straßenbeleuchtung im restlichen Gemeindegebiet auf die EindĂ€mmung der Lichtverschmutzung achten. Es sind alle Gemeinden, die sich die Reduzierung der Lichtemissionen vor Ort gerne ansehen möchten, herzlich eingeladen, unseren Ortsteil ReindlmĂŒhl bei Nacht zu besuchen. Der Sternenpark ist ein echter Gewinn fĂŒr unsere Gemeinde.“

Naturpark Attersee-Traunsee „Wir freuen uns sehr, dass die Region des Naturparks Attersee-Traunsee nun als erster Sternenpark Österreichs zertifiziert ist. Das weithin bekannte Sternenpark-Motto Carpe diem – protege noctem steht sehr bildlich fĂŒr die Ausrichtung als Natur- und Sternenpark. Am Tag „schĂŒtzen und nĂŒtzen, erleben und begreifen“ wir die lebensraum- und artenreiche bĂ€uerliche Kulturlandschaft des Naturparks und in der Nacht bewahren wir durch sorgsame Lichtnutzung die FunktionalitĂ€t der Nachtnatur. DafĂŒr können wir uns eines tiefen, klaren Blickes in den Sternenhimmel erfreuen“, so der Naturpark-Manager Clemens Schnaitl, der auch mit dem Angebot an NaturerlebnisfĂŒhrungen wie „vom Armleuchter zum NachtschwĂ€rmer – Licht aus bis zum Ende der Nacht“ mehr Bewusstsein fĂŒr den Lebensraum Nachtnatur schaffen möchte. „Sehr wichtig ist mir, dass mit diesem Kultur- und Schutzgut sorgsam und verantwortlich umgegangen wird. Daher möchten wir Besucher des Sternenparks ersuchen, die Regeln fĂŒr ein „Respektvolles Miteinander im Sternenpark“ einzuhalten“, Schnaitl abschließend.

Naturpark-Obmann Prof. Mag. Hans Mittendorfer: „Eine Landschaft mit gepflegten Wiesen, rauschenden BĂ€chen, stillen WĂ€ldern, erhĂ€lt nun das Zertifikat des dunklen, ungetrĂŒbten Nachthimmels. Der Naturpark AtterseeTraunsee wird auch zum Sternenpark. Ein Privileg, an dem nicht nur Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch Besucherinnen und Besucher
teilhaben können. Eine große Chance und gleichzeitig Herausforderung fĂŒr die Region. Privilegien, wie z.B. Natur oder Kultur zu genießen, SportstĂ€tten in 7
Reichweite zu haben, beinhalten immer auch Verhaltensregeln. Der Natur- und Sternenpark auch, um das Herausragende der Landschaft und des Nachthimmels zu erhalten. Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter der Wiesen und WĂ€lder, sowie den darin lebenden Tieren gebĂŒhrt entsprechender Respekt.“

Wichtig ist dem Natur- und Sternenpark-Verantwortlichen das Einhalten der Verhaltensregeln beim Besuchen des Sternenparks, die auch auf der offiziellen Website www.sternenpark-attersee-traunsee.at abrufbar sind.
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Oö. Landeskorrespondenz

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