Die nächste Poprevolution kommt aus Ungarn. Ausgerechnet aus einem Land, in dem internationale Musikkarrieren eher rar gesät sind. Dabei gab es bereits vor vier Jahren heftige Lebenszeichen: Damals verbuchte ein Allroundkönner namens Erik Sumo, der im wirklichen Leben Ambrus Tövisházi heißt, einen satten Achtungserfolg mit seinem Debütalbum „My Rocky Mountain“. Pop, Dub, Jazz und ungarische Folk-Elemente verschränkten sich seinerzeit zu äußerst einprägsamen Melodien.
Inzwischen erwuchs die Erik Sumo Band zum 7-köpfigen Projekt; und das neue Album „The Trouble Soup“ ist ein überkochender Kessel mit großen Pophymnen. Explodierende Synthies, Ostblock-Zinnober, Indie und Progressive in Drei-Minuten-Opern wie sie auch die Flaming Lips oder die B 52s hätten schreiben können.
Keine Frage, die ungarische Popsaga muss umgeschrieben werden.
In ihrem Heimatland genießt die Erik Sumo Band Nationalheldenstatus. Fulminante Liveshows, ausgebufftes Songwriting. Die Singleauskopplung „Disco in my head“ stand auf Platz 1 der ungarischen Radiocharts. Jetzt ist die Band reif für den nächsten Schritt: „The Trouble Soup“ erscheint weltweit bei Le Pop Musik.
Wenn Mastermind und Bandleader Ambrus Tövisházi über das musikalische Spektrum der Erik Sumo Band spricht, fallen so unterschiedliche Begriffe wie japanischer Folksong, Rockabilly, sozialistische Zeichentrickserien, Afrobeat, Chanson, Reggae … All diese Einflüsse finden sich auf den Songs von „The Trouble Soup“ wieder. Das klingt durchgeknallt, funktioniert aber wunderbar. Tövisházi ist geprägt von einer spezifisch ungarischen Perspektive jenseits der üblichen Puszta-Folklore: „Sicher gibt es ungarische Elemente in unserer Musik. Ich beziehe mich da auf die 1980er-Jahre, wo es viel Musik aus TV-Shows, Cartoons und ungarische Filme mit einem sehr eigenständigen Stil gab. Dazu kommen besondere Instrumente. Viele Ostblock-Länder hatten ihre eigenen Instrumentenkultur, beispielsweise der DDR-Orgelhersteller Vermona Orgel, die einen unverwechselbaren Klang haben. Ich liebe es, diese vergessenen Teile der 60er, 70er, 80er wiederzubeleben, deren Klang sich nicht mit dem westlicher Instrumente vergleichen lässt. Auf den Kassetten meines Vaters habe ich zudem viel alte Pop- und Rockmusik gehört, hauptsächlich amerikanische Gruppen. Mein Vater nahm damals Beach Boys oder Motown-Musik der 1970er von speziellen ungarischen Radiosendungen auf. Nachdem die ungarischen Grenzer 1989 die Zäune nach Österreich zerschnippelten, hagelte es neue Impulse.
„Äußere Einflüsse kamen dazu. Eine Band wie Stereolab oder Beck und sein Umgang mit Lo-Fi fesselten mich. Am Lo-Fi-Sound fasziniert mich die Art wie Geräusche in die Musik integriert werden. Geräusche sind ein sehr wichtiger Bestandteil von Musik.“
Seit damals wuchs das Soundimperium von Erik Sumo immer weiter an: Zwei Sängerinnen und ein Sänger, die sich mit den Lead-Vocals abwechseln und zusammen den Chor bilden, eine eingespielte Rhythm-Section und die wiederkehrenden Duelle zwischen Vintage-Orgel und E-Gitarre.
Für „The Trouble Soup“ war - neben der illustren Besetzung - die Produktionsweise entscheidend für den Sound der Band: „Wir haben Schlagzeug, Bass, Orgel und Gitarre in einem Original-1970er-Studio mit einer 24-Track-Tape-Maschine aufgenommen. Dort arbeitet eine echte Legende, der schon mit vielen älteren ungarischen Bands gearbeitet hat. Wobei eins klar sein muss: Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen. Bass und Schlagzeug müssen krachen!.“
Und „The Trouble Soup“ schlägt ein: Ein Album, das durchgehend vor Energie sprüht. Die Melodien bilden ein endlos geflochtenes Band. „The Trouble Soup“ wird so zum Non-Stop-Parforceritt durch den wundersamen Popkosmos der Erik Sumo Band, in dem sich Hit an Hit reiht.
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