Montag, 24.02.2020
Salzkammergut-Rundblick - Nachrichten für das Salzkammergut

Neon-Effekt

Im folgenden Bild scheint ein hellblauer Kreis vor dem weißen Hintergrund zu schimmern:
Text

Experimentieren Sie selbst mit dem Neon-Effekt. VerÀndern Sie z.B. mit dem zweiten Schieberegler den Abstand der Striche.

Wenn Ihr Browser Java Applets unterstützt und Java aktiviert ist,
dann erscheint hier der blelb Spot 05



FarbschimmertÀuschungen

FarbschimmertĂ€uschung ist der Oberbegriff der hier gezeigten TĂ€uschungen. Die Grenzen dazwischen sind fliessend. Ein reiner Neon-Effekt tritt relativ selten und nur unter den unten genannten Bedingungen auf. Seine Wahrnehmung ist beinahe ein esoterisches Erlebnis: Man bezeichnet mit «neon color spreading effect» das an den Effekt einer historischen Neon-Leuchtröhre erinnernde körnige Glimmen von gewissen FarbeinschlĂŒssen in repetitiven Strukturen. Das Wort «spreading» bedeutet, dass diese Leuchtfarbe scheinbar die leeren ZwischenrĂ€ume fĂŒllt. Die Ă€sthetische QualitĂ€t dieser geisterhaften Erscheinung wurde 1971 entdeckt [1], 1975 wiederentdeckt [2] und hat schliesslich den Neurophysiologen und Psychophysikern TĂŒr und Tor zu einem besseren VerstĂ€ndnis des Sehprozesses geöffnet [4].

Voraussetzungen
FĂŒnf Voraussetzungen mĂŒssen erfĂŒllt sein, damit sich ein Neon-Effekt einstellen kann:

1) LĂ€sst man die FarbeinschlĂŒsse weg, so mĂŒssen bereits die Aussparungen im Linienmuster auf dem Hintergrund ein leuchtendes Objekt mit einem subjektiven Rand erzeugen (Kanisza-Effekt [3]).

2) Die Liniendichte muss einen gewissen Grenzwert ĂŒberschritten haben.

3) Die FarbeinschlĂŒsse mĂŒssen wie Intarsien eine perfekte Fortsetzung der Linien bilden

4) Die Breite der FarbeinschlĂŒsse darf auf der Netzhaut nicht grösser als die Abmessung der Fovea sein.

5) Die Intarsien mĂŒssen zu glĂŒhen beginnen und einen Teil ihres Pigments in die leeren ZwischenrĂ€ume versprĂŒhen, als ob ein ZĂŒndeffekt stattgefunden hĂ€tte.

Steigernde und hemmende EinflĂŒsse auf den Neon-Effekt
Die Farben GrĂŒn und Gelb mit mittleren WellenlĂ€ngen unterdrĂŒcken den Neon-Effekt und erzeugen eine normale FarbschimmertĂ€uschung. Die kurz- und langwelligen Farben Blau und Rot hingegen unterstĂŒtzen den Neon-Effekt. WĂ€hlt man Gegenfarben fĂŒr den Hintergrund und die Intarsien (Rot und GrĂŒn; Blau und Gelb), so wird der Neon-Effekt begĂŒnstigt, wĂ€hlt man hingegen benachbarte Farben (z.B. Orange und Rot), so verschwindet der Effekt.
In dÀmmrigen Licht verstÀrkt sich der Neon-Effekt.
Interessant ist auch, dass graue Linien, eingebettet in farbige Linien, einen schwachen Farbschimmereffekt in der Gegenfarbe erzeugen können.

In den höheren Hirnregionen und unter dem Meeresspiegel
Man weiss heute, dass der Neon-Effekt und der Kanizsa-Effekt im Gegensatz zum Assimilations-Effekt in den höheren Hirnregionen des visuellen Kortex entsteht. Um einen «Schmutzeffekt» handelt es sich dabei offenbar nicht. Ein solch komplexer Effekt muss entweder ein IrrlĂ€ufer der Evolution sein oder einen tieferen Sinn haben. Interessant ist, dass nach dem AufglĂŒhen der im Zwischenraum scheinbar versprĂŒhten Farbe die Illusion einer vorgelagerten halbtransparenten Struktur entsteht. Das AufglĂŒhen scheint eine VerstĂ€rkung der Wahrnehmung zu sein. Selbst wenn das Licht der Intarsien fĂŒr eine Wahrnehmung nicht ausreicht, kann unser vor rund 300 Millionen Jahren entwickeltes Sehorgan dank dieser VerstĂ€rkung evtl. noch etwas erkennen. Vielleicht ist der Neon-Effekt ein Überbleibsel der Entwicklung des Sehvermögens unter dem Meeresspiegel. Dort mangelt es an Licht, und das Erkennen von transparenten Körpern vor filigranen Strukturen mag eine Rolle gespielt haben.

Literatur:
[1] Varin D, 1971
Fenomeni di contrasto e diffusione cromatica nell`organizzazione spaziale del campo percettivo
Rivista di Psicologia 65 101-128
[2] van Tujil, H. (1975)
A new visual illusion: Neonlike color spreading and complementary color induction between subjective contours.
Acta Psychologica, 39, 441-445.
[3] Kanisza, G. (1979)
Organisation in Vision. Essays on Gestalt Perception, Praeger.
[4] Bressan P, Spillmann L, Mingolla E and Watanabe T, 1989
Neon color spreading: a review
Perception 26 1353-1366



Die optischen TĂ€uschungen wurden uns freundlicher Weise zur VerfĂŒgung gestellt von: www.blelb.ch
Dort finden Sie auch viele weitere interessante Experimente und tolle BĂŒcher.