Stellungnahme zur Vergabe von „Essen auf Rädern“

Bereits in den 70iger Jahren hat der damalige freiheitliche Stadtrat Josef Holzberger als Leiter des Sozialausschusses erkannt, dass die Anzahl betagter Menschen, die sich nicht mehr selbständig versorgen können, steigt und daher Unterstützung benötigt, z.B. bei der Zubereiten der täglichen Mahlzeiten. Es wurde die soziale Dienstleistung „Essen auf Rädern“ für alle hilfsbedürftigen Bad Ischler ins Leben gerufen, um eine warme Mahlzeit für alle zu ermöglichen.

Über viele Jahre haben die Mitarbeiter der Stadtgemeinde tagtäglich bis zu 80 Portionen innerhalb von 6 Stunden ausgeliefert und diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit aller erbracht. Sie habe die eine oder andere kleine Erledigung durchgeführt oder haben sich den Anliegen angenommen, wenn ein Essenbezieher darum gebeten hat. Durch den persönliche Kontakt mit bekannten Gesichtern konnte der Kontakt zu den Mitmenschen und dem Umfeld etwas aufrecht gehalten werden und konnte sichergestellt werden, dass es allen gut geht.

Es steht für uns außer Frage, dass der „Arbeiter Samariterbund“ diese Dienstleistung gut erledigen kann und die notwendige Infrastruktur dazu vorweisen kann. Dies ist nicht der Grund dieses Beitrages.

Für die FPÖ Bad Ischl und mich stellte sich in diesem Zusammenhang die sachlich berechtige Frage, wie eigentlich „Soziale Verantwortung“ in der Gemeindestube und den Verantwortlichen definiert wird. Diese kommunale Kernkompetenz sollte im eigenen Wirkungsbereich bleiben, um die persönliche Betreuung weiterhin aufrecht zu erhalten. Ist es wirklich legitim, dass alles, was nicht mehr personell machbar erscheint, zu 100% an Vereine und Private zu übertragen oder wäre eine stufenweise Teilvergabe dieser Dienstleistung effizienter gewesen? Wäre die ansteigende Nachfrage nicht auch lösbar gewesen, wenn durch ein rechtzeitiges Erkennen die Ressourcen für den erhöhten Bedarf rechtzeitig geschaffen oder mögliche Synergieeffekte gesucht worden wären , als sich nur auf die Suche von externen Auslieferungsmöglichkeiten zu fokussieren? Die Devise muss „Agieren statt reagieren“ lauten.

Bereits 2013 bei der Neuanschaffung des neuen, gemeindeeigene Auslieferungsfahrzeuges wurde die zukünftige Entwicklung im Ausschuss hinterfragt und versucht, einen Denkprozess anzukurbeln. Da mit der maximalen Auslieferungsmenge des Neufahrzeuges von 80 Portionen die stagnierende Warteliste auf Jahre abgesichert schien und weitere Betreuungsplätze in Ischl in Aussicht gestellt wurden, wurden weitere Überlegungen nicht mehr angestellt und für sinnlos abgetan. Jedoch haben sich die Rahmenbedingungen wesentlich geändert und unsere Bedenken scheinen sich bestätigt zu haben.
Auch hätte wir hier die dadurch entstehenden Mehrkosten, die durch die Vergabe an den Samariterbund geleistet werden, für die Beschäftigung von weiteren gemeindeeigener Mitarbeitern investiert.

Aus diesen Überlegungen heraus, gab es für den Antrag „Fremdvergabe von Essen auf Rädern“ von den Bad Ischler Freiheitlichen keine Zustimmung.

Unsere Entscheidung hat nichts mit dem dafür gefunden Verein zu tun, denn er leistet bereits zahlreiche Transportaufgabe im Schülertransport für unsere Gemeinde. Ischl darf einfach nicht nur zur Fest-, Feier- und Jubelstadt der Reichen und der Schönen werden. Wir haben die politische Verantwortung, vorausschauend auf die Sorgen und die Nöte der Bewohner in unserer Stadt effizient zu agieren.

Unser Dank ergeht an all jene Mitarbeiter der Stadtgemeinde, die bisher im Dienste der zu versorgenden Menschen so viele Jahre unterwegs waren und den direkten Kontakt zu den hilfsbedürftigen Bad Ischlern pflegten.

Ihr Anton Fuchs
Stadtrat für öffentliche Sicherheit und Vereinswesen

Weitere Meldungen