Gänsehaut am Bauernhügel: Wie 450 Würfelspieler die Geschichte Pinsdorfs zum Leben erweckten

Fotos Hans Feitzinger

Ein historisches Spektakel der Sonderklasse lockte Tausende Besucher an den geschichtsträchtigen Bauernhügel in Pinsdorf. Das legendäre Frankenburger Würfelspiel gastierte im Rahmen der Communale OÖ 2026 erstmals an diesem symbolträchtigen Ort – und hinterließ ein tief bewegtes Publikum.

Wenn hunderte Laiendarsteller in historischen Gewändern, bewaffnet mit Spießen und Sensen, mit ernsten Mienen den Hügel hinaufziehen, hält der Atem der Zuschauer inne. Am vergangenen Samstag verwandelte sich das Mahnmal der Aufstände am Pinsdorfer Bauernhügel in eine gigantische Freiluftbühne. Anlässlich des Gedenkjahres „400 Jahre Bauernkrieg in OÖ“ zeigte die Würfelspielgemeinde Frankenburg zwei restlos ausverkaufte Sonderaufführungen, die den Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Ein historischer Schulterschluss der „Mut-Orte“
Das Frankenburger Würfelspiel, das normalerweise ausschließlich auf der heimischen Naturbühne in Frankenburg zu sehen ist, verließ für dieses exklusive Gastspiel seine Komfortzone. Die Kooperation mit der Communale OÖ 2026 unter dem Leitmotiv „Mut-Orte“ spannte den Bogen von der grausamen Initialzündung des Krieges (dem Blutgericht auf dem Haushamerfeld 1625) direkt zum Schauplatz einer der größten und blutigsten Schlachten des Bauernkriegs im Jahr 1626 hier in Pinsdorf.

Für das Gastspiel wurde das monumentale Volksschauspiel dramaturgisch angepasst. In einer verdichteten, extrem dynamischen Fassung und angereichert mit eigens verfassten Zusatztexten zum Pinsdorfer Bauernkriegsgedenken entfaltete die Inszenierung eine ungeheure emotionale Wucht.
Wenn die Würfel um Leben und Tod fallen
Bereits der feierliche Festumzug am Nachmittag, der sich vom Sportzentrum hinauf zum Bauernhügel schlängelte, zog die Massen an. Als dann auf der Anhöhe vor der Kulisse des Traunsteins das eigentliche Drama begann, herrschte absolute Stille im Publikum.

Die rund 450 Darsteller spielten mit einer spürbaren Leidenschaft. Höhepunkt war wie immer die markerschütternde Szene, in der die verurteilten Bauern paarweise um ihr nacktes Leben würfeln müssen. In Kombination mit den neuen Textpassagen, die den Bogen zur historischen Realität von Pinsdorf spannten, wurde das Spektakel zu einer eindringlichen Mahnung gegen Krieg, Intoleranz und Herrschaftswillkür.

Ein Fest der Versöhnung statt heroischer Posen„
Es geht uns nicht darum, alte Gräben aufzureißen oder die Vergangenheit zu heroisieren“, war aus den Kreisen der Gemeinde Pinsdorf und den Organisatoren von floro zu hören. Das Ziel dieses Kultur-Wochenendes, zu dem auch die Enthüllung einer neuen Gedenktafel sowie eine ökumenische Morgenmesse am Sonntag gehörten, war ein klares Bekenntnis zu Offenheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt im Hier und Jetzt.

Wer keine Tickets für die beiden ausverkauften Aufführungen ergattern konnte, hat im Rahmen der Communale noch länger Gelegenheit, in die Geschichte einzutauchen: Das nahegelegene Rahstorfer Haus zeigt noch bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung „Aufruhr und Wandel – Der Bauernkrieg und das Leben auf dem Land“. Das Gastspiel des Würfelspiels am Bauernhügel hat jedoch jetzt schon einen festen Platz in den regionalen Geschichtsbüchern sicher.

Weitere Meldungen