Photovoltaik-Boom in Tschechien – Zubau der Leistung eines Temelín-Blocks wird heuer erreicht

„Höchste Zeit, dass die tschechische Regierung den atomaren Irrweg verlässt“, fordert Landesrat Stefan Kaineder.
Foto: Land OÖ/Werner Dedl,
„Höchste Zeit, dass die tschechische Regierung den atomaren Irrweg verlässt“, fordert Landesrat Stefan Kaineder. Foto: Land OÖ/Werner Dedl,

Atomkraft ist zu gefährlich, zu teuer und im Ausbau zu langsam. Letzteres zeigt der Blick auf die aktuellen Zahlen zum Photovoltaik-Ausbau in Tschechien. Während die Politik dort von sogenannten SMR (Small Modular Reactors) träumt, schreitet der Erneuerbaren-Ausbau schnell voran. Photovoltaik boomt auch in Tschechien. Alleine im ersten Halbjahr 2023 wurden knapp 70 Prozent mehr Anlagen angeschlossen als im gesamten Jahr 2022. Die installierte Leistung im ersten Halbjahr stieg sogar um 551 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr, wie Vertreter:innen des Umwelt- und Industrieministeriums und der tschechische Solarverband bekannt gaben. Die Branche ist auf dem besten Weg heuer die Grenze von einem Gigawatt installierter Leistung zu überspringen, das entspricht in etwa einem Block des AKW Temelin.


„Es ist ganz einfach: die Energiewende kann und wird nur mit Erneuerbaren Energien gelingen. Atomkraft ist nicht nur zu gefährlich, sondern kostet auch zu viel und dauert zu lange, bis sie verfügbar ist“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. „In Tschechien wird heuer die Leistung von einem Block des AKW Temelin an Sonnenstrom zugebaut, und der PV-Boom schreitet zügig voran. Es ist Zeit, dass die tschechische Regierung endlich den atomaren Irrweg verlässt. Denn echte Unabhängigkeit schaffen wir nur mit Erneuerbaren“, so Kaineder weiter, der auch auf die instabile Lage im Niger verweist, von wo bis zu 25 Prozent des in der EU verwendeten Urans kommen. Man argumentiert mit Unabhängigkeit, und doch erhielten russische Flugzeuge trotz kriegsbedingtem Flugverbots Sondergenehmigungen, um Brennstäbe nach Tschechien zu transportieren.


Auch ein Blick nach Frankreich lohnt sich, um die hochtrabenden Ankündigungen der Atomlobby ins rechte Licht zu rücken: Während man dort mit großem medialen Getöse neue Atomkraftwerke für frühestens 2035 plant, gehen parallel ohne große Aufmerksamkeit Offshore-Windparks ans Netz.

Ende des Jahres wird man mit diesen Anlagen eine Windkraftleistung von knapp 1.500 MW erreichen. Das entspricht der Leistung eines neuen AKW-Blocks. Am einzigen derzeit in Bau befindlichen Atomkraftwerk Flamanville 3 (1.650 MW Leistung) werkt Frankreich nun bereits seit 16 Jahren. Und selbst nach Fertigstellung könnte der Reaktor nicht lange in Betrieb sein. Denn die französische Atomaufsichtsbehörde hat aufgrund gravierender Mängel beim Deckel des Reaktordruckbehälters einen Austausch gefordert.

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