Die Große Pose

Ein Fotoprojekt von Tarek Leitner in Bad Goisern in Kooperation
mit der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024
Bad Ischl I Salzkammergut, 7. Juni 2024
Wer sind die „herkömmlichen“ Salzkammergütler? Was ist echt, und darf eine Wienerin Lederhose tragen? Im Mittelpunkt der von Tarek Leitner konzipierten und umgesetzten Fotoaktion „Die Große Pose“ steht die Frage nach den aktuell viel diskutierten Identitäten. Mitten in Bad Goisern inszeniert der gebürtige Oberösterreicher, der sich auch als österreichischer Journalist und Moderator einen Namen gemacht hat, im wahrten Sinne des Wortes „ein Boulevardstück“. Entlang der Oberen Marktstraße in Bad Goisern am Hallstättersee lässt Tarek Leitner vom 20. bis 28. Juni 2024 aus dem Archiv des früheren Ortsfotografen Wilhelm Fettinger 70 großformatige Passbilder auf Tafeln affichieren. Sie zeigen, wie sich die Gesellschaft in den 1980er und 1990er Jahren darstellen lassen wollte. Dieser Auswahl an Passbildern sind großformatige Bilder von Besucher*innen gegenübergestellt, die im Pop-Up-Fotoatelier „Die Große Pose“ einnehmen.
Tourist*innen suchen im Salzkammergut vielfach das Authentische, das Originale. Identitätspolitik treibt zuweilen absurde Blüten und ist manchmal heftig emotional. Sie steht für Machtabsicherung gleichermaßen wie für das Sichtbarmachen von Minderheiten. Tarek Leitner rückt mit der Fotoaktion Bewohner*innen von Bad Goisern, wie sie vor einer Generation gelebt haben und die Besucher*innen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 in den Mittelpunkt der Fotoaktion.
Begleitet wird „Die Große Pose“ von drei Veranstaltungen, die sich den gesellschaftspolitischen Aspekten dieses Projekts widmen. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung am Freitag, den 28. Juni 2024 um 20:15 Uhr wird der umfangreiche Bilderschatz der Gemeinde Bad Goisern übergeben.
Die Große Pose
Sonntag, 23/06/2024, 16:00 Uhr
Ort Vom Marktplatz entlang der Oberen Marktstraße 1, 4822 Bad Goisern am Hallstättersee
Laufzeit 20/06 – 28/06/2024
Was macht das „von“ alles aus?
Tarek Leitner im Gespräch mit Hubert von Goisern
Dienstag, 25/06/2024, 19:00 Uhr
Ort Marktplatz, 4822 Bad Goisern am Hallstättersee
„Der Trubel um Identität“
Diskussion und Einladung zum Mitreden mit Helga Rabl- Stadler, Marie-Theres Arnbom, Julia Müllegger, Manuela Tomic und Brigitte Mittendorfer
Freitag, 28/06/2024, 20:15 Uhr
Ort Schloss Neuwildenstein, Marktplatz 1, 4822 Bad Goisern am Hallstättersee
„Klang und Gestalt der Großen Posen“
Finissage audiovisualisiert von Peter Brugger
Das Fotoarchiv Fettinger – Visuelles Gedächtnis der Gemeinde Bad Goisern
„2016 fiel mir ein Schatz in die Hände. Das visuelle Gedächtnis der Gemeinde Goisern. Die alteingesessene Familie Fettinger betrieb dort jahrzehntelang ein Fotoatelier. Als das Haus geräumt wurde, konnte ich eine außergewöhnliche Fotosammlung bisher ungezählter, aber gewiss in die Zigtausende gehende Negative und Glasplatten retten. Sie wanderten allerdings nur vorübergehend in ein Archiv. Im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 bot sich die einmalige Gelegenheit dieses umfassende Fotoarchiv der Öffentlichkeit erstmals in Form einer Fotoaktion den Bewohner*innen von Bad Goisern zugänglich zu machen.“ Tarek Leitner, Künstlerischer Leiter „Die Große Pose“
Nach Ausräumen des alten Ateliers, das Generationen von Goiserern aufgesucht haben, wurden die Negative zwar erst einmal konserviert, um sie vor Hitze und Feuchtigkeit zu schützen, doch es war von Anfang an klar, dass sie nicht einfach nur archiviert werden sollten. Denn hier finden sich versammelt Faschingsumzüge und Gamsjagertage, erste Schultage und Konfirmationen, Hochzeiten und Todesfälle, Jahrgangstreffen und Sportveranstaltungen, Sparkasseneröffnungen und Jubiläen, Sommer- und Winterbilder des Ortes und seiner Umgebung und die Passbilder aller Menschen, die sich in Bad Goisern einst einen Ausweis oder Reisepass haben ausstellen lassen.
Zur Sitzung vor dem Apparat des Wilhelm Fettinger, besuchte so gut wie jeder Portraitierte und jede Portraitierte unmittelbar davor den örtlichen Friseur. Jede Person auf den Bildern nahm eine Pose ein, und zeigte ein sehr bewusst gewähltes Bild von sich selbst. Insgesamt ergibt sich daraus ein wunderbares Abbild der Bevölkerung des Ortes aus den letzten drei Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, auch wenn es das gewollte und vielleicht nicht das wirkliche Abbild ist.
„Wer sind wir, was waren wir, was sind wir? Tarek Leitners „Große Pose“ führt uns vor Augen, wie sehr sich Menschen schon über kurze Zeit wandeln, sich ihr Selbstverständnis und ihre Lebens- und Darstellungsweisen verändern und somit sich die große Frage stellt: Was heißt Identität? Was heißt „mir san mir?“ Fragen, die heute drängender denn je sind, in einer Zeit, wo sich Isolationismus verstärkt und die Klüfte vertiefen. Die Diskussion darüber scheint mir essentiell, um eine zivile offene Gesellschaft zu gestalten.“ Elisabeth Schweeger, Künstlerische Geschäftsführerin, Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024
Mitwirkende
Fotograf*innen Bettina Gangl, Klaus Krumböck, Veronika Scharinger
Audiovisualisierung Peter Brugger
Künstlerische Leitung Tarek Leitner
Programmleitung Bildende Kunst Simone Barlian
Assistenz Bildende Kunst Teresa Kranawetter






