UNVERMÖGENSVERKEHRSSTELLE.


Videostill, Unvermögensverkehrsstelle © Barbara Ungepflegt, 2024 courtesy Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024
Videostill, Unvermögensverkehrsstelle © Barbara Ungepflegt, 2024 courtesy Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024

Performative Intervention und Marathon-Lesung und THE ROYAL PARTY CRASHER.

Lücken unterbrechen Texte, Straßen, Sitzreihen, Bonbonnieren, Gedanken. Sie reißen Löcher auf, veranlassen zum Luftholen, verschaffen Distanz, beruhigen und irritieren gleichzeitig. In der UNVERMÖGENSVERKEHRSSTELLE werden Lücken als Fixpunkte verstanden, die Informationen tragen, Soziales und Politisches veranschaulichen. Die Lücke verweist auch immer auf etwas Vergangenes, auf einen Verlust, auf etwas, was einmal da war.

Am Samstag, den 17. August 2024, geht die Künstlerin Barbara Ungepflegt im Bahnhof Bad Ischl Österreichs Lücken nach, bringt verschollen Geglaubtes ans Tageslicht, während sie andernorts willkürlich Löcher stanzt und in altbekannten Texten Leerzeichen fair und gendergerecht einfügt. In der UNVERMÖGENSVERKEHRSSTELLE liest die Wiener Künstlerin non-stop aus Hitlers Mein Kampf, den sie 2022 im Rahmen ihrer Dissertation an der Kunstuniversität Linz in gendergerechte und faire Sprache übersetzt hat. Dem Publikum bleibt es überlassen, wann es bei der Marathon-Lesung einsteigen und wie lange es zuhören will. Die Marathon-Lesung startet um 11 Uhr vormittags und endet um 21 Uhr.

Am Sonntag, den 18. August, wenn ganz Bad Ischl den Geburtstag von Kaiser Franz I. zelebriert, mischt sich Barbara Ungepflegt unter die anwesenden Gäste. Als Flaneurin ungeahnt geahnter Abenteuer verwandelt sich Ungepflegt so extrem, dass der Eindruck entsteht, sie sei die vom Tod auferstandene Prinzessin Diana. Der Verherrlichung der Princess of Wales nähert sich die Wiener Künstlerin in minutiös konzipierten öffentlichen Auftritten, die die Widersprüchlichkeit einer (Doppel-)Existenz und die Brüchigkeit zwischen Selbst- und Fremdbild zeigen. Die Medienrealität der verstorbenen Diana Spencer paraphrasierend, stehen zentrale Fragen zu Identität, Konstruktion und Glorifizierung im Mittelpunkt dieser Arbeit, die eine Fortsetzung ihrer bisherigen Kunstfiguren-Variationen, wie z.B. die Figur der Bundesministerin für Heimatschmutz und internationale Affären oder die der Sachbearbeiterin Babi K. ist. Die frappierende äußere Ähnlichkeit zwischen Lady Di und Barbara Ungepflegt wird in THE ROYAL PARTY CRASHER auf die Spitze getrieben. Die Bewunderer*innen, die unersättlichen „Mythenkonsumenten“, wie Roland Barthes sie einst beschrieb, werden an diesem Tag mit royalen Figuren wie Kaiser Franz, Sisi und Lady Di in Berührung kommen. Gleich, ob diese „echt“ sind oder nicht.




UNVERMÖGENSVERKEHRSSTELLE
Performative Intervention und Marathon-Lesung von und mit Barbara Ungepflegt
Zeit Samstag 17/08/2024, 11 ­– 21 Uhr
Ort Bahnhof Bad Ischl, Wirtshauslabor in der ehemaligen Bahnhofsrestauration,
Bahnhofstraße 8, 4820 Bad Ischl
Eintritt frei

THE ROYAL PARTY CRASHER
Performance im öffentlichen Raum von Barbara Ungepflegt
Zeit Sonntag, 18/08/2024, 11 Uhr
Ort Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, Auböckplatz 3, 4820 Bad Ischl

Die performative Intervention und die Marathon-Lesung von und mit Barbara Ungepflegt UNVERMÖGENSVERKEHRSSTELLE findet im Rahmen des Projekts Salt Lake Cites STOPs and STATIONs statt. Intakte, leerstehende Bahnhöfe werden zu Dreh- und Angelpunkten, Orten des Kommens und Gehens, an denen Geschichten entstehen und passieren. Unvermeidlich unverbindliche Begegnungen und ermöglichen den Austausch und Dialog, die zum gemeinsamen Erlebnis werden. Barbara Ungepflegt greift den Gedanken des Leerstands in ihren Arbeiten immer wieder auf: Der Leerstand, die Lücke wird als Fixpunkt verstanden, die Informationen tragt, Soziales und Politisches sichtbar macht. Die Lücke verweist auch immer auf etwas Vergangenes, auf einen Verlust, auf etwas, was einmal da war. Seit 2010 präsentiert die österreichische Performance-, Video- und Installationskünstlerin ihre Kunst im öffentlichen Raum sowie im Rahmen von internationalen Symposien und Festivals. Ihren Künstlernamen legte sie sich auf einem Chirurgenkongress zu, wo sie sich den Ärzten mit „angenehm, Ungepflegt“ vorstellte, was im Smalltalk für Irritation sorgte. Ungepflegt bedient sich solcher und ähnlicher Spielformen von Irritation ­– in gewisser Weise als ästhetische Strategie, die Verunsicherung auslösen und das Gegenüber zum Nachdenken anregen kann.

Barbara Ungepflegt *1975 lebt und arbeitet in Wien, ist Performance-, Video- und Installationskünstlerin und Artistic Researcher. Studium der Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Pädagogik an der Universität Wien. Gründerin und Leiterin des postgradualen Universitätslehrgangs für angewandte Dramaturgie, der 2017 bis 2023 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien angeboten wurde. Im Wintersemester 2020 war sie Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften, 2022 promovierte sie (summa cum laude) im Fachbereich angewandte Kunst- und Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz zum Thema „Exklusive Leerzeichen“. Zudem ist sie Herausgeberin der Kunstzeitschrift IMMERHIN / AFTER ALL und Preisträgerin des Dissident Goddesses Temple Price (2019) für ihre Büroinstallation Büro Zimmer Frei. Seit 2010 präsentiert Barbara Ungepflegt ihre Installationen, Interventionen, Performances und Vorträge im In- und Ausland. Seit 2023 Mitglied des Institute of Strollology und Gründerin des Institue of Applied Pommology and Sausage Science. 2024 erhielt sie das Arbeitsstipendium für Darstellende Kunst der Stadt Wien. Zuletzt kuratierte sie das von ihr gegründete Festival Pommes 260 beim Imbissstand am Erlaufsee.

In vielen Arbeiten setzt sie sich mit Zwischenräumen und Utopien, mit dem oszillierenden Spiel zwischen Sein und Schein auseinander. So ernannte sich Barbara Ungepflegt mit Angelobung der Österreichischen Bundesregierung im November 2017 (Koalition ÖVP-FPÖ) zur „Bundesministerin für Heimatschutz und internationale Affären“ und tritt seither in dieser Funktion immer wieder öffentlich auf. Zuletzt 2024 in Tokio, als sie die Bürgermeister der befreundeten Wiener Bezirkspartner besuchte und die politischen Freundschaftsbeziehungen untersuchte.

2019 errichtete sie das Ministerialgebäude des Bundesministeriums für Heimatschutz und internationale Affären in einer eigens dafür adaptierten Litfaßsäule am Keplerplatz in Wien, von der aus sie für 80 Tage Sprechstunden und weitere Feierlichkeiten abhielt. Werke (Auswahl): How to survive the day? (2023), Lissabon, Where is my Where? (2022), Luzern, in Kooperation mit SARN - Swiss Artistic Network, Heimat in einfacher Sprache (2021, 2022) in Kooperation mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und dramaforum; Büro Zimmer Frei (Installation, 2016), Universität für Musik und darstellende Kunst Wien; Meines (Performance, 2015), Kooperation mit brut Wien; Endlich - Ein Konditoreibesuch (2014) Kooperation mit brut Wien und im Rahmen von Best of Styria Festival, Wien; Misswahl (2013), Kooperation mit brut Wien; Performative Installationen im öffentlichen Raum u.a.: Bundesministerium für Heimatschmutz und internationale Affären (2019), Keplerplatz, Wien; Zimmer 215 (2019), Kunstuniversität Linz; Glaube, Siedlung, Hoffnung (2018), Helmut-Zilk-Park, in Kooperation mit dem Theatermuseum Wien; Airpnp – Air pause and peep, Haltestelle der Linie 5B am Wallensteinplatz, in Kooperation mit brut Wien; Notstand Überlebensführungen (2011), Karlsplatz, Wien im Rahmen der forum festwochen der Wiener Festwochen 2011.

Mitwirkende
Künstlerin Barbara Ungepflegt
Kurator Gerald Priewasser-Höller
Produktionsleiterin Maria Neumayr-Wimmer
Produktion Regionen Marian Holzmüller
Partner*innen ÖBB INFRA, ÖBB IMMO

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