Der Arbeitsklima Index zeigt: Frauen in systemrelevanten Berufen bringen unser Land durch diese Krise

Arbeiterkammer O?-
Arbeiterkammer O?-

Die Corona-Krise macht mehr denn je deutlich, wer das Land und die Wirtschaft am Laufen hält: die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. „Für ihren mutigen Einsatz und ihre Loyalität unter erhöhtem Ansteckungsrisiko verdienen die Menschen mehr Wertschätzung und echte finanzielle Anerkennung“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.


Eine Million Menschen arbeiten in Österreich in systemrelevanten Berufen. Dazu zählen etwa Krankenpflegerinnen, Handelsangestellte, Reinigungskräfte, Lehrerinnen, Postler, Berufsfahrer, Polizisten oder Ärztinnen. Zwei Drittel dieser Arbeitnehmer/-innen, die uns durch die Krise bringen, sind Frauen. Um Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung und Home-Schooling bewältigen zu können, arbeiten viele von ihnen Teilzeit. Das bewahrt sie aber nicht vor unregelmäßigen Arbeitszeiten: Ein Viertel muss Schicht- oder Turnusdienste leisten, vier von zehn arbeiten an Samstagen. In 25 Prozent aller anderen Berufe gibt es Gleitzeitregelungen, in systemrelevanten Frauenberufen sind es nur fünf Prozent.


Während in der ersten heißen Phase der Corona-Krise bis zu einem Drittel aller Beschäftigten in Österreich ins Home-Office wechseln konnte, sind neun von zehn Frauen in systemrelevanten Berufen am üblichen Arbeitsort tätig. Dementsprechend fühlen sie sich weniger vor dem Corona-Virus geschützt und müssen trotz Angst vor einer Ansteckung in die Arbeit, insbesondere in den Pflegeberufen. Dort sind die Arbeitsbelastungen generell in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich: Knapp die Hälfte der Beschäftigten – und somit fast vier Mal mehr als in anderen Berufen – nennt die eigene Arbeit psychisch (sehr) belastend, ein Drittel beklagt Zeitdruck, ein Viertel ständigen Arbeitsdruck und wechselnde Arbeitsabläufe. Dennoch zeichnen sich Pfleger/-innen durch eine hohe Identifikation mit ihrem Beruf aus: 88 Prozent sind mit dem Berufsinhalt (sehr) zufrieden, 82 Prozent würden wieder im selben Betrieb zu arbeiten beginnen. Aber: Vier von zehn sind in Sorge, ob sie bis zur Pension durchhalten.


Corona hat systemrelevanten Frauen aber nicht nur Stress und Sorge bereitet, sondern auch Wertschätzung. 57 Prozent von ihnen glauben, dass ihre Arbeit jetzt mehr respektiert wird als vor der Krise. Gleichzeitig glauben mehr als ein Viertel der Beschäftigten in systemrelevanten Frauenberufen, dass sie von der aktuellen Krise härter getroffen werden als andere Beschäftigte. Fast 70 Prozent von ihnen berichten, dass sie weniger als 1.800 Euro verdienen, bei zwölf Prozent sind es sogar weniger als 900 Euro. Zum Vergleich: In den anderen systemrelevanten Berufen verdient ein knappes Viertel weniger als 1.800 Euro, in den anderen (nicht systemrelevanten) Berufen sind es 44 Prozent. Kein Wunder, dass fast zwei Drittel der systemerhaltenden Frauen glauben, dass ihr Einkommen gerade so oder gar nicht zum Überleben reicht, mehr als drei Viertel denken, dass sie mit ihrer späteren Pension kaum oder gar nicht auskommen werden. Jede fünfte systemrelevante Frau sieht durch die Krise ihre Existenz gefährdet.


AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert daher mehr Wertschätzung und finanzielle Anerkennung für die Beschäftigten, die unser Land am Laufen halten: „Ohne sie wäre es finster in unserem Land, das Gesundheitssystem würde zusammenbrechen, die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern kollabieren. Dass sie dafür Applaus ernten, ist nett. Davon können sie aber nicht leben. Darum ist es höchste Zeit für den Corona-Tausender, eine Erhöhung aller Mindestlöhne auf 1.700 Euro und des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent des Letztbezugs, damit auch jene besser abgesichert sind, die in der Krise ihren Job verloren haben.“


Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von SORA und IFES im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima

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